Wie entwickelt sich ein lärmbedingter Hörverlust

Lärm, Tinnitus und Schwerhörigkeit – Lärm, berufs- oder freizeit­bedingt, gilt als grösster Risikofaktor für eine frühzeitige Hörbeeinträchtigung. Die dadurch verursachte Innenohrschädigung kann nur mittels Hörgeräten verbessert werden. Die Apple Hörstudie untersucht wie sich Schallbelastung auf die Hörgesundheit auswirken.

Teil 7

U. Jehle Brühlmann, Dr. med.
Fachärztin FMH ORL,
Hals- und Gesichtschirurgie

Von Ursula Jehle Brühlmann

Wie entwickelt sich ein lärmbedingter
Hörverlust

Lärm führt zu einer Schädigung der Cochlea Strukturen. Die Hörschnecke (Cochlea) ist, mit dem Gleichgewichtsorgan, Teil des inneren Ohres.

Die Schädigung, die durch Lärm verursacht wird, ist dosisabhängigbezogen auf die Lärmintensität. Je höher die Lärmbelastung und je länger die Exposition, desto stärker ist die Schädigung des Hörvermögens. Ein klinisches erstes Zeichen für einen lärmbedingten Hörverlust ist eine Abnahme des Sprachverständnisses in lauter Umgebung. Häufig entwickelt sich Tinnitus. Tinnitus stammt vom lateinischen tinnire (klingeln) und bezeichnet das bewusste Wahrnehmen eines Geräusches, ohne dass eine äussere Schallquelle vorhanden ist. 

Schallintensitäten über 80 dB, die länger als 40 Stunden pro Woche wahrgenommen werden, führen zu einer Schädigung der Haarzellen im Innenohr. Lärmbelastungen am Arbeitsplatz und auch freizeitbedingte Lärmexpositionen, vor allem das längere Hören von lauter Musik, gehören zu den Risikofaktoren. Apple hat 2019 die sogenannte Apple Hearing Study zusammen mit der Universität Michigan ins Leben gerufen.

Apple Hörstudie 
Die Apple-Hörstudie ist eine Partnerschaft zwischen der Universität von Michigan und Apple, um die Schallbelastung und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit des Hörens zu untersuchen. 

Die Studie erfasst kontinuierliche Umgebungs- und Kopfhörer-Lautstärken mittels IPhone und Apple Watch. Diese bahnbrechende Studie wird unser Verständnis davon, wie das Gehör im Laufe der Zeit durch die Lärmexposition beeinflusst wird, voranbringen. Wir messen Kopfhörer- und Umweltschallexpositionen im Laufe der Zeit unter unseren Teilnehmern und bestimmen, wie sich diese Expositionen auf das Gehör auswirken. Die Studie vermittelt uns ein besseres Verständnis des Zuhörens, Verhaltens und seine Gesamtauswirkungen auf die Gesundheit des Hörens. Diese Informationen helfen wiederum, Leit­fäden für die öffentliche Gesundheitspolitik und Präventionsprogramme zum Schutz und zur Förderung der Gesundheit in den USA und weltweit zu verbessern. 

In der Studie wurden mehr als 160000 Teilnehmer integriert, die Umfragebogen beantworteten und app-basierte Test absolvierten.

Es ging vor allem um Personen, die an Tinnitus leiden. Die Studie zeigte, dass 77,6 Prozent der Teilnehmer bereits einmal unter Tinnitus gelitten hatten. Ausserdem wurde festgestellt, dass persistierender Tinnitus mit dem Alter zunahm. In der Studie wurde von den Teilnehmern eine Lärm-Traumatisierung oder die Belastung durch übermässig hohe Lärmpegel als Hauptursache für Tinnitus gesehen, die zweithäufigste Ursache war Stress. Die Tinnitus-Dauer nimmt bei den Teilnehmern ab 55 Jahren mit zunehmendem Alter deutlich zu.

Weiter Wirkungen von Lärm auf den Menschen
Gemäss eines Berichts des Bafu (Bundesamt für Umwelt) leiden 900 000 Menschen in der Schweiz unter lästigem und schädlichem Lärm. Der Lärm führt zu einer Ausschüttung von Stresshormon und dadurch, neben der Hörschädigung, auch zu Herz-Kreislauferkrankungen.

Prävention der Altersschwerhörigkeit
(Presbyacusis)

Die Vermeidung von lauten Geräuschen und Lärm, sowohl beruflich als auch freizeitbedingt, gehören zur wichtigsten Prophylaxe einer Altersschwerhörigkeit.

Was ist laut
Die untenstehenden Werte zeigen Vergleichswerte von lauten Lärmsensationen:

GeräuschLautstärke (dB)
Gewehrschuss (Mündung)160 dB
Start Düsenflugzeug140
Schmerzschwelle130
Flugzeugstart110
Diskothek (Innenraum)95
Güterzug (100 km/h)95–100
Lastwagen (50 km/h)85–95
Hupe85
Personenwagen (50 km/h)60–80
Angeregte Unterhaltung65
Unterhaltung60
Personenwagen (Leerlauf)45–55
Ruhige Wohnung35–45
Blätterrauschen25–30
Hörschwelle0

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