3 min 20. Juli 2025 Das Finale

Serie 2: Der hilflose Helfer

Eine vierteilige Serie über das Begleiten, das Loslassen und das sich selbst nicht verlieren.

Einstieg

„Die folgenden Texte basieren auf einer wahren Begleiterfahrung. Um die Privatsphäre der betroffenen Person zu schützen, wurden Rollen, Bezeichnungen und Details verändert. Die emotionale Wahrheit blieb jedoch erhalten.“

Wenn ein Mensch, der einem nahesteht, krank wird, beginnt oft eine stille Bewegung.
Eine, die niemand geplant hat.

Man hilft – anfangs zögerlich, dann regelmässig, irgendwann selbstverständlich.
Aus einem Besuch wird eine Aufgabe. Aus einer Aufgabe eine Verantwortung.
Und manchmal, fast unmerklich, wächst daraus eine Rolle, die das eigene Leben mitprägt.

Ich habe über viele Jahre hinweg eine Frau begleitet, die mir sehr nahestand
nicht als Profi, nicht als gesetzlicher Betreuer,
sondern einfach: als Mensch.

Ich organisierte, half und hielt aus und ging dabei manchmal über meine eigene Grenze hinaus.
Es war Nähe. Es war Überforderung. Es war Beziehung.

Diese vierteilige Serie erzählt von dieser Erfahrung:

Im ersten Teil: Vom Hineinwachsen in eine Helfer Rolle,
im zweiten Teil vom inneren Aufreiben und einer emotionalen Zerreissprobe,
im dritten Teil vom Bruch und vom Loslassen.
Und im vierten Teil schliesslich darum, was bleibt und der Liebe danach.

Sie will kein Ratgeber sein. Und kein Vorwurf.
Sondern eine stille Einladung:
Zum Erkennen. Zum Erinnern. Zum Anerkennen dessen, was wir oft im Verborgenen tragen.

Sie richtet sich an alle, die Angehörige oder Nahestehende begleiten.
Und an jene, die begleitet werden und vielleicht nicht mehr wissen, wie sie das annehmen sollen.

An alle, die spüren, wie dünn der Faden manchmal wird
zwischen Nähe und Distanz,
zwischen Fürsorge und Selbstverlust,
zwischen Liebe und Grenze.

Manchmal ist das Grösste, was bleibt, nicht das, was man getan hat
sondern die Erkenntnis, mit welcher inneren Haltung man unterwegs war.

Denn sie offenbart mitunter mehr über uns selbst als jedes Tun.
Und sie lässt sich mit der Zeit verwandeln.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Entwicklung:

nicht mehr alles tun zu müssen, um verbunden zu bleiben.
Sondern auszuhalten, was sich nicht ändern lässt.

Dem anderen sein Leben zuzumuten ohne selbst zur Zumutung zu werden.

Und dazubleiben mit offenem Herzen,
vielleicht ohne ein einziges Wort,
ohne eine Geste,
ohne einen Beweis.

Nur durch das, was bleibt:
die Haltung.
Und die stille Bereitschaft, sie immer wieder zu überprüfen.

Demnächst verfügbar

Matthias Joos, Diplom Mathematiker, psychologischer Berater in eigener Praxis in Küssnacht am Rigi, Autor www.matthiasjoos.ch

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