3 min 22. Sep. 2025 Sicherheit

Täter nutzen Gutgläubigkeit aus

Seniorinnen und Senioren geraten vermehrt ins Visier einer Täterschaft mit kriminellen Absichten. Um solchen Straftaten entgegenzuwirken, führt die Kantonspolizei Zürich seit 2021 die Fachstelle Seniorenschutz.

Interview mit Marcel Graf, Kantonspolizei Zürich Text von Barbara Gasser, Vorstandsmitglied ZSS

Warum gibt es die Fachstelle Seniorenschutz und was ist ihre Aufgabe?

Marcel Graf: Kernaufgabe der Fachstelle Seniorenschutz ist die Prävention, namentlich die Verbesserung des Schutzes von Seniorinnen und Senioren vor Straftaten wie Gewalt- und Vermögensdelikte sowie Verwahrlosung. Vermehrt werden Straftaten registriert, bei denen Seniorinnen und Senioren ins Visier der Täterschaft geraten und zu Schaden kommen. Die Kantonspolizei Zürich kommt den besonderen Schutz und Sicherheitsbedürfnissen älterer Menschen nach, fördert durch Information und Aufklärung die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, und gewährleistet einfachen Zugang zur Hilfe – auch für Angehörige.

Welche Themen beschäftigen die Fachstelle Seniorenschutz am meisten?

MG: Seniorinnen und Senioren sind unterschiedlichen Formen von Kriminalität wie Haustürgeschäfte, Betrug und Gefahren im Internet in besonderer Weise ausgesetzt. Dabei wird oft gezielt die Hilfsbereitschaft, Gutgläubigkeit oder Unsicherheit von älteren Menschen ausgenutzt, um sie zu täuschen und an vertrauliche Informationen zu gelangen, oder sie zu einer bestimmen Handlung zu bewegen.

Wie können sich Seniorinnen und Senioren vor solchen Betrugsformen schützen?

MG: Als Faustregel sollte immer gelten: Sobald irgendeine Forderung an sie herangetragen wird, ob online, per Telefon oder sonst wie, sollen diese niemals umgehend erfüllt werden. Immer zuerst prüfen, ob die fordernde Person überhaupt dazu berechtigt ist. Man darf fremden Personen gegenüber misstrauisch sein.

Bezüglich Gewalt und Vernachlässigung im Alter geht man von einer grossen Dunkelziffer aus und spricht von 300 000 bis 500 000 betroffenen Menschen in der Schweiz. Warum ist das so und was kann man tun?

MG: Gewalt hat viele Gesichter. Sie kann bewusst oder unbewusst ausgeübt werden. Neben bereits konfliktbehafteten Beziehungen, die sich im Alter verstärken können, entsteht Gewalt im Alter oft in einer Pflegebeziehung, in der die betreuende Person überlastet ist, und Gewalt oder Vernachlässigung Ausdruck von Hilflosigkeit und Überforderung ist. Aber es gibt Hilfsangebote, bei welchen die gesamte Situation betrachtet und Entlastung und Unterstützung angeboten wird. Es ist nie zu spät, Hilfe zu holen!

Was braucht es für einen wirkungsvollen Seniorenschutz, und wohin kann man sich wenden, wenn man selbst von einem Delikt betroffen ist oder etwas beobachtet?

MG: Ältere Menschen müssen möglichst gut ins soziale Leben eingebunden sein, Einsamkeit soll verhindert werden. Wichtig sind niederschwellige Ansprechstellen und Meldemöglichkeiten. Wer von einem Delikt betroffen ist oder etwas beobachtet, kann sich immer direkt an die Polizei wenden. Wer das nicht will, kann sich auch an die kommunalen Fachstellen Alter, die Pro Senectute oder die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA) oder natürlich die Fachstelle Seniorenschutz wenden.

Marcel Graf

Präventionsfachmann
Kantonspolizei Zürich

Weitere Informationen auf
www.zh.ch/seniorenschutz

Kantonspolizei Zürich/
Fachstelle Seniorenschutz

+41 58 648 22 22, seniorenschutz@kapo.zh.ch

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