Digital Academy für das dritte Lebensalter

«Praxisorientiert lernen und individuell gestalten», nach diesen Leitlinien ist das digitale Lernangebot von AIAS für ältere Menschen konzipiert und aufgebaut.

Teil 1

Von Mariana Christen Jakob

Im Zentrum stehen die alltäglichen Herausforderungen der Seniors in denjenigen Lebensbereichen, die ihnen wichtig sind. Konkrete Lösungen für den Alltag sind gefragt mit dem Ziel der digitalen Kompetenzentwicklung. Die digitale Transformation verändert das Leben auf allen Ebenen und in jedem Bereich: Das Handy ist heute Bank, Zeitung, Kalender, Fotoapparat, Mailbox, Lexikon und Gesundheitsdienstleister. Das ist spannend, manchmal auch eine digitale Anwendungsmöglichkeit, aber auch eine Herausforderung. Dieser Digitalisierungsdruck erhöht in den neuen Möglichkeiten von der künstlichen Intelligenz (KI) nochmals eine weitere Dynamisierung. Menschen im dritten Lebensalter stehen in der Regel nicht mehr im beruflichen Umfeld, gleichwohl ist es wichtig, an diesen Entwicklungen «dranzubleiben». Letztlich geht es um die Qualität im Alltag und die digitale Inklusion in allen Lebensbereichen.

Wie ist das Lernangebot gestaltet?

Die älteren Menschen legen in einem ersten Schritt ihre Lernziele fest: Was möchten sie lernen? Welche Bereiche interessieren mich? Sie erhalten aufgrund ihres Profils einen passenden Coach aus einem Unternehmen zugeteilt, der sie auf dem 5- bis 6-monatigen Lernreise begleitet und unterstützt. Die 8 bis 10 Coaching-Treffen werden individuell gestaltet, je nach Agenda und Verfügbarkeit, das kann vor Ort sein oder auch online. Einmal pro Monat werden im Weiteren Webinars zu wichtigen digitalen Themen angeboten, z.B. Cyber Security, Passwortmanager, digitale Mobilität oder digitaler Nachlass. Je nach Interesse können die Seniors daran teilnehmen und ihre Fragen stellen. Ein wichtiges drittes Element sind die online Module zu verschiedenen KI-Themen, welche individuell durchgearbeitet werden können. In den verschiedenen Praxis-Workshops werden offene Fragen beantwortet und die ersten Erfahrungen diskutiert. Dieser Austausch unter den Teilnehmenden schafft ein gegenseitiges Vertrauen und eine offene Lernkultur. Nach rund einem Jahr schauen alle Beteiligten auf ihre Erfahrungen zurück und halten die Highlights ihres Lernprozesses fest. Dank der Unterstützung von Förderstiftungen muss niemand aus finanziellen Gründen von einer Teilnahme ausgeschlossen werden.

Wie ist das Lernangebot gestaltet?

Marlis Meier: Was war deine Motivation für die Teilnahme?
Meine Motivation war klar: Ich wollte etwas dazulernen. Natürlich hatte ich meine Routinen und Abläufe, aber sobald man nicht mehr berufstätig ist, kommt man aus der Übung. So habe ich früher viele Power Point Präsentationen gemacht, ich kann das immer noch, aber es ist doch eine gewisse «Ausforderung», heute hat sich einiges verändert. Als ich von der Digital Academy gehört habe, da dachte ich mir, das «packe» ich jetzt. Ich bin grundsätzlich auch ein Mensch, der gerne neue Themen interessiert ist. Ich finde auch grossartig, mit anderen spannenden Menschen gemeinsam eine Lernreise zu starten, das beflügelt mich.

Paul Langholz: Was war für dich wichtig auf der digitalen Lernreise?
Etwas vom Wichtigsten war für mich, dass ich die Hemmungen in dieser Welt abbauen konnte. Ganz konkret heisst das beispielsweise, dass ich heute auch Programme genauer anschaue, starte, die ich nicht kenne. In meiner Generation hat man oftmals Angst, gewisse Dinge zu tun, wenn man nicht weiss, was passiert. Das war ein wichtiges Thema für mich, und ich empfinde es heute als einen grossen Vorteil, dass ich in dieser Hinsicht wichtige Schritte machen konnte. Auch das Coaching hat mich dabei unterstützt.

Hans Schmidt: Was waren deine Lernziele?
Ich war bereits in der Nachbarschaftshilfe engagiert und habe die Internetnutzung gelernt. Das Angebot der Digital Academy hat mich dann aber mit dem längeren Lernprozess von Anfang an angesprochen. Das steht sicher auch im Zusammenhang mit meinem Buchprojekt von mir. Ich habe für meine Söhne rund 250 Seiten meiner Erfahrungen und Erinnerungen aufgeschrieben. Ich hatte viele Files auf meinem Computer und ich wusste nicht, wie ich diese Unterlagen sichern sollte. Das ursprüngliche Ziel war darum, dieses Buchprojekt sicher aufzusetzen. Ich hatte dann aber auch sehr viele andere Themen.

Cristina Seitz-Bossi: Wie hast du deinen ersten KI-Workshop erlebt?
Im ersten Workshop wurden wir in die ChatGPT eingeführt. Ich machte grosse Augen und Berührungsängste im Umgang mit KI. Alles war für mich neu und überraschend. Ich war fasziniert, dass ChatGPT so einfach in der Anwendung war. Nach dem Workshop habe ich sofort begonnen, ChatGPT auszuprobieren. Ich habe beispielsweise zuhause den Kühlschrank geöffnet, ein Foto gemacht und nach einem Kochrezept gefragt, welches ich mit den vorhandenen Zutaten kochen könnte. Ich erhielt von ChatGPT ein originelles Menü und kochte es sogleich mit meinen Enkelkindern. Meine älteste Enkelin, sie ist 10 Jahre alt, war begeistert und wollte sofort mehr über ChatGPT erfahren.

Praxisorientierte Lernreise: Wer ist angesprochen?
Du bist zwischen 55/60 und 75/80 Jahre alt und Du möchtest:
– bei digitalen Themen «dranbleiben», bist offen dafür, Neues zu lernen, und hast auch Spass daran;
– Du suchst Lösungen für konkrete Herausforderungen im digitalen Alltag;
– Dich würde eine 5 bis 6-monatige Lernreise mit einem jüngeren Coach aus der Unternehmenswelt motivieren und freuen;
– Du möchtest die Welt von künstlicher Intelligenz (KI) praxisnah und anhand konkreter Beispiele kennenlernen;
– Du interessierst dich für Themen wie Cybersecurity oder digitaler Nachlass.

Kostenloser Info Kaffee
Januar 2026, 9.30–11.30 Uhr, Altstadt Zürich

Kontakt und Anmeldung
info@aias.swiss

Was ist die Mission von AIAS?
Der Verein AIAS entwickelt innovative Projekte mit und für Menschen im «dritten Lebensalter». Ziel ist die digitale Kompetenzentwicklung in einem längeren, selbstgesteuerten Lernprozess. Mit der Stärkung der digitalen Alltagskompetenzen wird die Lebensqualität im Alter verbessert und die gesellschaftliche Inklusion gefördert.

https://aias.swiss/

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