3 min 26. Jan. 2026 Berichte

Etwas komplizierter als ein Lego-Bausatz

Nachhaltige Innovationen im Gebäudebereich – dafür wurde NEST bei der Empa in Dübendorf konzipiert. Eine Gruppe ZSS-Mitglieder hatte die Gelegenheit genutzt, sich auf einer Führung durch die Units über aktuelle Forschungsprojekte zu informieren.

Von Barbara Gasser, Text und Fotos, Vorstandsmitglied ZSS

NEST sieht von aussen aus wie aufeinander geschichtete durchsichtige Container mit unterschiedlichem Innenleben. Es handelt sich dabei um das modulare Forschungs- und Innovationsgebäude der Empa und der Eawag. Im NEST werden neue Technologien, Materialien und Systeme unter realen Bedingungen getestet, erforscht, weiterentwickelt und überprüft. Ziel ist es, durch enge Kooperation mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand innovative Bau- und Energietechnologien schneller auf den Markt zu bringen. 

Die Teilnehmenden der Führung für ZSS streben dem Eingang zu NEST zu.

Christoph Stapfer von der Abteilung Kommunikation und Events führt die Gruppe von ZSS durch das «Haus der Zukunft». «Mit NEST bieten wir eine Plattform, um Technik und Gebäude zu verbinden, damit neue Erkenntnisse zum Beispiel in den Quartier- und Städtebau einfliessen können», erklärt er. Das sei allerdings etwas komplizierter als ein Lego-Bausatz. Die zehn Units sind aufgeteilt in Büros, Sitzungszimmer und Wohnungen, in denen der Alltag gelebt wird. Mitarbeitende können während 6 bis maximal 18 Monaten dort wohnen. «So erhalten wir ein unmittelbares Feedback, wie sich die Forschungsprojekte in der Realität bewähren», sagt Stapfer. 

Die Küche einer Wohnung im NEST ist auf Führungen für die Öffentlichkeit zugänglich.

Gebäudebau nachhaltiger machen
Ein wichtiger Schritt zur Nachhaltigkeit ist die Reduktion von Material. So seien etwa die Geschossdecken in verschiedenen Räumen mit wabenartigen Hohlräumen gebaut worden. «Statt der üblichen 20 bis 25 mit Stahlträgern fixierten Betondecken sind sie jetzt nur noch 3 bis 6 Zentimeter dick, verfügen jedoch über die gleichen Eigenschaften.» Ein weiteres Beispiel für Nachhaltigkeit sind die Sanitärinstallationen. «NEST verfügt über ein eigenes dezentrales Abwassersystem.» Um Ressourcen zu schonen wird beispielsweise der Urin getrennt von den Fäkalien weggespült. «Daraus konnte ein Pflanzendünger entwickelt werden, der selbst auf essbaren Pflanzen anwendbar ist.»

Die Interessante Decke aus wabenartig zusammengesetztem dünnen Beton wurde kritisch begutachtet.

Interessante Wand- und Bodenbeläge
In den Units von NEST werden organische Materialien für die Wände verbaut. Ein Beispiel ist eine sichtbare farbig gesprenkelte Isolation. «Das sind geschredderte Tetrapackungen», sagt Stapfer. Die Anwesenden staunen, auf diese Idee wäre wohl niemand gekommen. Auch Altglas kann wiederverwendet werden, so fein gemahlen, dass es wie Sand wirkt. Küchenschränke aus Kaffeesatz, Bodenbeläge aus Jeansstoff oder Pappbecher an der Wand sind weitere Möglichkeiten, die auf ihre praktische Anwendung geprüft werden.

Ebenfalls getestet wird eine modulare Treppe aus sehr dünnem Beton, bei der jeder Tritt einzeln mit Zug befestigt ist, damit sie stabil ist. Stapfer meint, sie sähe ein bisschen aus wie zusammengesetzt aus zahlreichen Flügeln. Jemand aus der Gruppe sah darin eher ein Skelett. Ob das nun schön ist oder nicht, darüber lässt sich diskutieren. Doch im NEST wird geforscht und für die Zukunft geplant – immer in Hinblick auf ressourcenschonende Gebäudekonstruktionen und die Entlastung von Städtebauinfrastrukturen. 

Die Frauen und Männer von ZSS folgten aufmerksam den Ausführungen zu der Idee, die hinter NEST steckt.

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