Viel Glückgehabt
Kultur
18. Jan. 2024
2 min Lesezeit

Viel Glückgehabt

Ich bin froh, dass ich nicht abergläubisch bin. Denn meine Frau hatte am Freitag, dem 13. Geburtstag . . .

Von Silvio Seiler

Heute wird ein gelungener Tag. Meine Frau feiert ihren Geburtstag. Wir werden mit einem Mehrgänger verwöhnt. Auf den Tisch zaubern wird ihn meine Frau. Die beste Köchin der Welt. Heute bin ich nur für die Hilfsdienste vorgesehen. Ich darf einkaufen und danach die Küche schlussreinigen – das meiste hat meine Frau eh schon erledigt. Bereits morgens früh verlasse ich mit einem grossen Einkaufssack das Haus. Am Morgen soll es frische Gipfeli und Brötchen vom Bäcker geben.

Einen Moment passe ich nicht auf. Auf nassen Blättern, die auf der Treppe zum Fussweg liegen, rutsche ich aus. Ich fliege die Treppe hinunter und ein heftiger Schmerz fährt in meinen linken Fuss. So als ob mit jemand ein Fleischermesser hineingesteckt hätte. Ich gehe nach Hause und ziehe bessere Schuhe an. Meine Frau sagt, ich sei eben ein Tollpatsch.

Trotz Schmerzen habe ich den Einkauf getätigt. Nicht einmal den Lieblingswein meiner Frau, der besten von allen, habe ich vergessen. Ich lege Fleisch und Zubehör in den Kühlschrank. Ich greife mir den Wein. Ein gewaltiger Schmerz sticht mir ins Fussgelenk. So abgelenkt, lasse ich die Flasche fallen. Der Wein färbt den Küchenboden . . . Und an den Scherben reisse ich mir eine Fleischwunde am Handgelenk auf. Ich habe sie schnell verbunden.

Mit meinem malträtierten Fuss mache ich mich zum zweiten Mal auf – in die Weinhandlung. Dort ist der seltene Wein noch vorrätig. Schön Glück gehabt. Jetzt habe ich alles für das Geburtstagsmenü meiner Frau zusammen. Zuhause sagt sie: «Statt zu jammern wäre es besser, wenn du ins Spital gehst.» Dort werde ich geröntgt. Positiv: Ich muss nicht operieren. Der Bruch wird mit einer Schiene fixiert. Und ich darf einige Zeit an Stöcken gehen. Schön Glück gehabt. Die Wunde an der Hand wird nicht genäht. Nur verbunden. Wieder viel Glück gehabt.

Ich bin froh, dass ich nicht abergläubisch bin. Denn meine Frau hatte am Freitag, dem 13. Geburtstag.

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