Wenn Demenz Teil der eigenen Familie wird
Es beginnt nicht mit einem grossen Ereignis und schon gar nicht mit einem grossen Knall. Sondern mit kleinen Situationen, die zuerst kaum auffallen. Mit Fragen, die einfach öfter gestellt werden. Mit Situationen, die da sind, aber keine klare Erklärung mehr haben. Und mit dem leisen Gefühl, dass sich innerhalb der eigenen Familie etwas verändert. Die zweite Episode erzählt von einer Familie, deren Rollen sich langsam verschieben. Von Verantwortung, die wächst. Und von dem Versuch, als Familie zusammenzuhalten, während Erinnerungen langsam verblassen und Gewohntes auf einmal nicht mehr selbstverständlich ist.
Teil 2
Von Su und Youn Bak
Die Demenz kam nicht als Theorie zu uns.
Sie kam als Familienmitglied.
Am Anfang sprachen wir noch anders darüber. Wir lasen Artikel, informierten uns, sprachen mit Ärzten oder Fachpersonen. Wir versuchten zu verstehen, was diese Krankheit bedeutet.
Demenz war damals noch ein Begriff. Ein medizinisches Thema. Etwas, das anderen Familien passiert.
Und dann war sie da – im eigenen Wohnzimmer.
Sie sass mit am Tisch. Sie begleitete Gespräche. Sie wurde Teil unseres Alltags. Und langsam veränderte sie Gewohnheiten, das Zusammenleben und auch die Rollen innerhalb unserer Familie.
Es waren Momente, die wir fast übersahen.
Mami vergass häufiger den Hausschlüssel,
stand oft vor verschlossener Tür,
stellte immer wieder dieselben Fragen
und zog sich zunehmend zurück.
Nichts, das uns sofort beunruhigte.
Und doch blieb etwas hängen.
Mit der Zeit wurden diese Momente häufiger. Aus kleinen Unsicherheiten entstanden grössere Lücken. Situationen, die wir uns nicht mehr einfach erklären konnten.
Unser Alltag veränderte sich.
Aus der Tochterrolle wurde mehr.
Wir wurden aufmerksamer, hörten genauer hin und begannen mitzudenken, vorauszuplanen, aufzufangen.
Und plötzlich waren wir nicht mehr nur Kinder.
Wir wurden Begleiterinnen – und übernahmen Verantwortung.
Die Mutter, die früher für uns sorgte und die Familie zusammenhielt, veränderte sich.
Sie vergass mehr und mehr.
Und wir merkten, dass Erinnerungen nicht mehr zurückkamen.
Mit der Zeit lernten wir, mit dieser neuen Realität zu leben.
Nicht immer leicht. Nicht immer gelassen. Oft an der Grenze.
Aber wir versuchten trotzdem, das Wesentliche nicht zu verlieren.
Die Liebe zu Mami.

Wenn Demenz Teil der eigenen Familie wird, verändert sie nicht nur einen Menschen.
Sie verändert eine ganze Familie.
Und genau hier beginnt etwas, für das es keine Anleitung gibt.
Demnächst Teil 3 verfügbar . . .