2 min Ausgabe Nr. 4 | 2025

«Alter ist nicht die wichtigste Eigenschaft»

Charles Lewinskys neustes Buch heisst «Täuschend echt» und befasst sich mit der Wirkung von KI. Für ihn selber bedeutet Künstliche Intelligenz als Hilfe beim Schreiben eine Horizont­erweiterung der eigenen Überlegungen.

Interview mit Charles Lewinsky, Buchautor
Von Barbara Gasser, Vorstandsmitglied ZSS

In Ihrem Buch «Täuschend echt» schreiben Sie als weit über 70-Jähriger in der Ich-Form von einem Mann, der noch keine 40 Jahre alt ist. Wie können Sie sich in seine Lebenssituation hineinversetzen?
Charles Lewinsky: Das ist das Schöne an der Schriftstellerei: Man kann sich, unabhängig vom eigenen Alter, in jede Person hineinversetzen, sei es ein kleiner Junge wie in «Halbbart» oder sogar ein Toter wie in «Andersen».

Im Buch geht es auch um Künstliche Intelligent. Was halten Sie persönlich von KI als Unterstützung beim Schreiben?
Charles Lewinsky: Die künstliche Intelligenz eignet sich gut dazu, Listen zu einem Thema aufzustellen und einem damit den Horizont der eigenen Überlegungen zu erweitern. Das eigentliche Schreiben kann sie einem – zum Glück! – nicht abnehmen, denn was sie anbietet, ist immer nur die Essenz dessen, was andere Leute bereits geschrieben haben. Und man möchte doch die eigenen Geschichten in eigener Sprache erzählen.

Sie sind oft unterwegs, um aus Ihren Büchern
vorzulesen. Was bedeuten Lesungen für Sie?

Charles Lewinsky: Das ist ganz verschieden, je nachdem, was für ein Publikum sich einfindet. Ich erinnere mich an eine Lesung, bei der die Leute bei einem sehr ernsten Buch unbedingt lachen wollten, wahrscheinlich weil sie ein Unterhaltungsprogramm erwartet
hatten. Bei anderen Lesungen, bei denen man als Autor mit den Zuhörern auf derselben Linie ist, kann der Abend sehr angenehm sein.

Beim Adventsanlass von ZSS entspricht das
Publikum Ihrer Generation. Spielt das eine Rolle für die Art, wie Sie auftreten?

Charles Lewinsky: Nein, wieso denn? Unser Alter ist ja hoffentlich nicht unsere wichtigste Eigenschaft.

Was freut Sie besonders, wenn Sie Ihre Bücher
live vorstellen – und was ärgert Sie?

Charles Lewinsky: Ich freue mich, wenn die Reaktionen so kommen, wie ich sie mir beim Schreiben vorgestellt habe. Und ich bin irritiert, wenn in der zweiten oder dritten Reihe (warum es immer dort ist, habe ich nie herausgefunden) ein Mann während der Lesung sanft entschlummert. Wahrscheinlich hat ihn seine Frau gegen seinen Willen mitgeschleppt.

Weitere Artikel

Rechtliche Tipps für Reisen

Der Ruhestand ist eine Zeit voller Möglichkeiten, jene Reisen zu unternehmen, v...

Jassen ist Trumpf

Die Ustermer Quartierbeiz Talgarten ist das Eldorado für Seniorinnen- und Senior...

Immer mehr Gewalt und Betrug gegenüber Älteren

«Jeden zweiten Tag schlagen Telefonbetrüger zu und haben im Jahr 2023 insgesamt...