Enkel besser verstehen, Lebensfreude hören
Zeit mit den Enkeln verbindet Generationen, bringt Nähe in den Alltag und schafft Erinnerungen. Wer gut hört, ist mitten im Gespräch und versteht Geschichten, Fragen und leises Lachen.
Teil 9

U. Jehle Brühlmann, Dr. med.
Fachärztin FMH ORL,
Hals- und Gesichtschirurgie

Hansueli Müller
Hörakustiker mit eidg. Fachausweis, dipl. Pädakustiker AHAKI bei Neuroth
Wenn Verstehen anstrengend wird
Die Enkel kommen zu Besuch. Es wird erzählt, gelacht und durcheinander gesprochen. Schulgeschichten, viele Fragen, kleine Geheimnisse. Alles geschieht gleichzeitig. Dabei gehen Kinderstimmen im Stimmengewirr leicht unter, und ein Satz, der klar begonnen hat, endet im Ungefähren. Viele Grosseltern kennen diese Momente. Gespräche erfordern mehr Konzentration, und trotzdem wird nicht alles verstanden. In Gesprächsrunden werden manche zurückhaltender, weil das Verstehen zunehmend anstrengend wird. Der Wunsch ist ganz einfach, die Enkel gut zu verstehen, aufmerksam zuzuhören und mitreden zu können.
Warum oft das Sprachverständnis nachlässt
Hörveränderungen entstehen selten plötzlich. Sie sind meist altersbedingt und entwickeln sich schleichend über Jahre, nicht akut. Häufig liegt die Schwierigkeit nicht in der Lautstärke, sondern im Sprachverständnis. Töne werden wahrgenommen, Worte verlieren jedoch an Klarheit, besonders bei mehreren Stimmen oder Hintergrundgeräuschen. In der Fachsprache wird dieses Phänomen auch als sogenannter Cocktailparty‑Effekt bezeichnet. Gerade im Alltag mit den Enkeln zeigt sich das, etwa beim Essen, Spielen oder Vorlesen. Manche Kinder beginnen unbewusst lauter zu sprechen. Weil sich diese Veränderungen langsam entwickeln, werden sie oft lange als normal empfunden und im Alltag kompensiert.
Lärm als ständiger Begleiter
Lärm gehört zum Alltag. Verkehr, Haushaltsgeräte, Restaurants oder Familienfeste begleiten uns täglich. Auch Geräusche, die nicht als laut empfunden werden, können das Gehör bei längerer Dauer belasten. Fachpersonen empfehlen deshalb, ab etwa 80 Dezibel bewusst auf den Schutz des Gehörs zu achten. Davon sind alle Generationen betroffen. Erwachsene häufig durch Alltags- und Arbeitslärm, Kinder und Jugendliche sind in erster Linie durch die Verwendung von Kopfhörern und Discothekenbesuche gefährdet. Ein bewusster Umgang mit Lautstärke erleichtert das gegenseitige Verstehen und tut dem Gehör langfristig gut.
Warum sich frühes Hinschauen lohnt
Ein professioneller Hörtest kann Veränderungen früh erkennen, insbesondere beim Sprachverständnis in Gesprächen mit mehreren Stimmen oder bei Hintergrundgeräuschen. Dabei wird sowohl das Hören einzelner Töne als auch das Verstehen von Sprache geprüft. Frühzeitige Hörvorsorge schafft Orientierung und Sicherheit, noch bevor das Verstehen im Alltag mühsam wird. So bleiben Gespräche verständlich, Familienanlässe entspannt und das Zusammensein mit den Enkeln lebendig und unbeschwert.
Vorteile früher Hörvorsorge
Gespräche gelingen leichter
Gespräche gelingen leichter. Geschichten bleiben verständlich, Antworten kommen spontaner, und Zuhören schafft Nähe.
Sicherheit im Alltag
Akustische Signale richtig wahrzunehmen gibt Orientierung zu Hause, im Verkehr und unterwegs.
Geistig aktiv bleiben
Ein unbehandelter Hörverlust erhöht die geistige Belastung und das Risiko einer Demenzerkrankung. Klares Hören entlastet das Gehirn und unterstützt soziale Teilhabe.1
Einschätzung aus der Praxis
Dr. med. U. Jehle Brühlmann, Fachärztin FMH für Hals, Nasen und Ohrenkrankheiten, sowie Hansueli Müller, Hörakustiker mit eidg. Fachausweis und dipl. Pädakustiker AHAKI bei Neuroth, empfehlen regelmässige Hörkontrollen ab der Lebensmitte. Hörtests bei einer Fachperson gelten als wichtige Vorsorgemassnahme. Sie helfen, Veränderungen früh zu erkennen, damit Gespräche mit den Enkeln lebendig bleiben und gemeinsame Zeit Nähe und Freude schafft.
- Livingston et al. (2020): Dementia prevention, intervention, and care – The Lancet Commission. The Lancet, Vol. 396(10248), 413–446. ↩︎