KI im Alltag: Eine neue Hilfe – wenn man sie richtig nutzt
Künstliche Intelligenz – kurz KI – ist längst kein Zukunftsthema mehr. Viele Menschen begegnen ihr täglich, oft ohne es zu bemerken. Sie hilft beim Übersetzen, schlägt auf dem Smartphone Antworten vor, unterstützt Suchmaschinen, Navigationssysteme oder Sprachassistenten.
Von Professor Mariana Christen Jakob
Immer häufiger stehen zudem KI-Assistenten wie ChatGPT zur Verfügung. Sie beantworten Fragen, formulieren Texte oder helfen bei der Suche nach Informationen. Gerade für ältere Menschen kann das eine wertvolle Unterstützung sein, wenn digitale Aufgaben kompliziert erscheinen oder man sich bei einer Formulierung unsicher fühlt. Wichtig ist: KI soll den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Wer ihre Möglichkeiten kennt und ihre Grenzen berücksichtigt, gewinnt ein praktisches Werkzeug für den Alltag.
Kleine Hilfe mit grosser Wirkung
Viele Alltagssituationen lassen sich mit KI einfacher bewältigen. Sie kann beispielsweise einen Brief an die Krankenkasse formulieren, ein Behördenschreiben in verständlicher Sprache erklären, ein Rezept anpassen oder Ideen für einen Ausflug liefern. Auch beim Umgang mit neuen Geräten oder Apps kann sie Schritt für Schritt weiterhelfen.
Gerade wer sich in der digitalen Welt manchmal unsicher fühlt, erhält so schnell und verständlich Unterstützung. KI nimmt Entscheidungen nicht ab, kann aber helfen, Informationen besser zu verstehen und Aufgaben einfacher zu erledigen. Damit kann sie einen Beitrag dazu leisten, im digitalen Alltag länger selbstständig zu bleiben.
Neugierig bleiben lohnt sich
Viele Menschen begegnen der neuen Technologie mit einer gesunden Portion Vorsicht. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft, KI auszuprobieren. Der Digital Barometer 2026 zeigt: Fast jede zweite Person in der Schweiz geht davon aus, dass die Chancen der künstlichen Intelligenz in den nächsten fünf Jahren grösser sein werden als die Risiken. Gleichzeitig möchten viele besser verstehen, wie KI funktioniert und verantwortungsvoll genutzt werden kann.
Das ist eine gute Grundlage. Denn digitale Selbstständigkeit bedeutet heute nicht, jedes Programm perfekt zu beherrschen. Entscheidend ist vielmehr, neue Werkzeuge offen kennenzulernen und bewusst einzusetzen. Niemand muss alles wissen. Wer Fragen stellt und Neues ausprobiert, erweitert Schritt für Schritt seine digitalen Fähigkeiten.
KI weiss viel – aber nicht alles
So beeindruckend KI wirken kann: Sie ist nicht unfehlbar. Eine KI versteht Zusammenhänge nicht wie ein Mensch, sondern berechnet aufgrund grosser Datenmengen, welche Antwort wahrscheinlich passend ist. Deshalb kann sie falsche Informationen liefern oder etwas überzeugend formulieren, obwohl es nicht stimmt. Mitunter nennt sie sogar Quellen oder Fakten, die nicht existieren. Wichtige Informationen sollte man deshalb überprüfen – besonders bei Gesundheit, Finanzen, Versicherungen oder rechtlichen Fragen. Als Faustregel gilt: wichtige Aussagen mit einer zweiten Quelle vergleichen, persönliche Daten möglichst nicht in öffentliche KI-Dienste eingeben und bei wichtigen Entscheidungen Fachpersonen beiziehen. KI ist ein hilfreicher Assistent, ersetzt aber weder den gesunden Menschenverstand noch professionelle Beratung.
Auch Betrüger nutzen KI
Wie jede Technologie kann auch KI missbraucht werden. Täuschend echte E-Mails, nachgeahmte Stimmen oder manipulierte Bilder machen Betrugsversuche immer raffinierter. Rund die Hälfte der Bevölkerung weiss laut Digital Barometer nicht genau, wo KI bereits gezielt für Betrugsversuche eingesetzt wird.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn jemand Druck ausübt, sofort Geld zu überweisen oder persönliche Angaben preiszugeben. Ungewöhnliche Nachrichten sollte man über einen zweiten Kontaktweg überprüfen, etwa durch einen Anruf bei der betreffenden Person oder Organisation. Seriöse Banken, Behörden oder Versicherungen verlangen niemals per E-Mail oder Telefon Passwörter oder Zugangsdaten.
KI lernt mit Ihren Fragen
Technische Vorkenntnisse braucht es für die Nutzung von KI meist nicht. Man kann eine Frage so formulieren, wie man sie auch einem Menschen stellen würde. Je genauer sie ist, desto hilfreicher fällt die Antwort meist aus.
Statt nur «Ferien» einzugeben, könnte man beispielsweise fragen: «Schlage mir drei Ausflüge mit öffentlichen Verkehrsmitteln ab Zürich vor, die auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet sind.» Auch Nachfragen und Präzisierungen sind möglich. So entsteht Schritt für Schritt ein hilfreiches Gespräch.
Selbstständig bleiben – auch im digitalen Alltag
Digitale Selbstständigkeit bedeutet heute mehr, als ein Smartphone bedienen oder Rechnungen online bezahlen zu können. Dazu gehört auch, neue digitale Werkzeuge sinnvoll einzusetzen und gleichzeitig kritisch zu bleiben.
KI wird unseren Alltag weiter verändern. Sie kann helfen, Informationen besser zu verstehen, Texte einfacher zu verfassen oder neue Ideen zu entwickeln. Gleichzeitig braucht es Aufmerksamkeit, gesunden Zweifel und die Bereitschaft, wichtige Informationen zu überprüfen. Wer KI neugierig ausprobiert, ihre Möglichkeiten nutzt und ihre Grenzen kennt, gewinnt ein weiteres Werkzeug, um den Alltag selbstständig, sicher und selbstbestimmt zu gestalten.
Tipp: KI selbst ausprobieren In der AIAS KI-Mediathek finden Sie 24 kurze Lernvideos mit konkreten Anwendungsbeispielen für den Alltag. Sie zeigen Schritt für Schritt, wie Sie KI sicher und sinnvoll nutzen können – einfach erklärt und ohne technische Vorkenntnisse. Ein Einführungsvideo findet sich auf der Website: aias.swiss/ki-mediathek Der Zugang kostet 120.– für 6 Monate und beinhaltet auch einen Praxisworkshop von 9–12 Uhr am 7. Oktober im Karl der Grosse in Zürich.
Bild: KI-generierte Illustration.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der AIAS.