Erinnerungen, die davonfliegen
Am 21. September war Welt-Alzheimertag. Der «Tag der offenen Tür» im auf Demenz spezialisierten Wohn- und Pflegezentrum «Tertianum zur Heimat» in Stadel bot Einblick in einen Alltag, der von viel Routine geprägt ist.
Text und Bilder: Eva Zwahlen
Zwei Mitarbeiterinnen blasen lilafarbene Ballons auf, auf dem Tisch im Aufenthaltsraum steht ein violett-grüner Blumenstrauss. «Lila ist die Farbe der Demenz», erläutert Christina Militello, Geschäftsführerin des Wohn- und Pflegezentrums «Tertianum zur Heimat», das Farbkonzept. Anlässlich des Welt-Alzheimertags vom 21. September (siehe Kasten) öffnete das auf Demenz spezialisierte Heim seine Türen.

Viel Routine, wenig Hektik
Die meisten der 50 Bewohnenden im Haus «Tertianum zur Heimat» haben eine diagnostizierte Demenz. Wichtig bei diesem Krankheitsbild sind geregelte Strukturen, erläutert Christina Militello: «Wir sorgen für Routine, indem wir etwa die Jahreszeiten oder den Muttertag feiern. Zudem versuchen wir, Hektik möglichst zu vermeiden.» Letztere kann auch der Umzug in die «Heimat» auslösen. Als Vorbereitung darauf arbeiten die Mitarbeitenden deshalb mit einer sogenannten «Packliste. Dazu Christina Militello: «Düfte oder Fotos schaffen Geborgenheit». Und Eva Rodriguez, Leiterin Pflege und Betreuung und diplomierte Pflegefachfrau, ergänzt: «Wir binden die Angehörigen eng ein. Je mehr wir über die Bewohnenden wissen, desto besser können wir beispielsweise auf herausforderndes Verhalten reagieren.» Diese sogenannte «Biografiearbeit» ist ein zentraler Pfeiler des Pflegekonzepts im Haus «Tertianum zur Heimat» und erlaubt es den Mitarbeitenden, Zugang zum an Demenz erkrankten Menschen zu finden. Gerade bei den typischen Symptomen wie Sprachstörungen oder Persönlichkeitsänderungen ist dies entscheidend.

Berührungsängste in der Bevölkerung abbauen
Das Haus «Tertianum zur Heimat» gehört zur Tertianum-Gruppe. Für Hans Bühlmann, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung, trägt der Tag der offenen Tür dazu bei, die «Heimat» mit ihren Dienstleistungen in der Region sichtbar zu machen: «Wir möchten mithelfen, dass Berührungsängste mit dem Thema ‘Demenz’ abgebaut werden können.» Mittlerweile sind die Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen, alle lilafarbenen Ballone aufgeblasen. Wer möchte, kann einen Wunsch auf ein Kärtchen schreiben und mit den Ballonen steigen lassen. Und so werden diese zu einem Symbol für die Flüchtigkeit der Erinnerungen.

Alzheimer: Prävention bleibt entscheidend
Im Kanton Zürich leben 26’505 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Seit 1994 nutzen Organisationen weltweit den 21. September, um auf die steigende Zahl von Erkrankungen aufmerksam zu machen. Am diesjährigen Welt-Alzheimer-Tag stellte Alzheimer Schweiz die Prävention ins Zentrum. Diese kann das Erkrankungsrisiko senken und den Krankheitsverlauf nach einer Diagnose positiv beeinflussen. Zudem hilft Prävention Angehörigen, ein Ausbrennen zu verhindern.
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