Kreislaufwirtschaft im Bau ist ein Muss
Die Firma Eberhard in Oberglatt bereitet Mischabbruch zu hochwertigen Produkten auf und sichert damit gesetzeskonformes Recycling. An einer Führung Mitte Juli durch das Aufbereitungszentrum erfuhren 33 Interessierte auf Einladung von ZSS, wie Baumaterialien im Kreislauf gehalten werden.
Text René Hoppeler und Barbara Gasser, Fotos René Hoppeler, ZSS-Vorstandsmitglieder
Intelligente Roboter sortieren in der zukunftsweisenden Anlage von Eberhard den Mischabbruch aus. Ziel ist, dass die gleichen Materialien bei gleichbleibender Qualität immer wieder benützt werden. Angesetzt werden muss bei den Bauabfällen, welche 80 Prozent der Abfallmenge ausmachen, Haushaltabfälle dagegen nur 8 Prozent.
Entwicklungsleiter Patric van der Haagen erklärt: «Wir setzen uns dafür ein, dass die nächsten Generationen, also die Kinder unserer Kinder, die Welt mindestens so erleben können, wie wir heute.» Diese Strategie nennt er Enkelfähigkeit. «Es ist ein Kreislauf für die zukünftigen Herausforderungen wie der Klimawandel und die Ressourcenknappheit.»
7,5 Mio. Tonnen Bauabfall
Der Entwicklungsleiter erklärte, dass allein im Hochbau in der Schweiz jährlich 26 Mio. Tonnen Sand und Kies verbaut werden. Daraus entstehen 7,5 Mio. Tonnen Bauabfall, also mehr als die doppelte Menge der Siedlungsabfälle. «Wenn es uns nicht gelingt, konsequent zu recyclieren gehen uns neben den Ressourcen bald auch die Deponieflächen aus. Diese reichen beispielsweise noch für rund 10 Jahre. Wenn man weiss, dass das Bauen einer neuen Deponie bei uns rund 20 Jahre dauert, versteht man, dass Umsetzungsstärke und Geschwindigkeit gefragt wären.» Häuser und Infrastrukturbauten haben gemäss Aussagen von Patric van der Haagen eine Lebensdauer von 50 bis 80 Jahre. Im Hinblick auf die grossen Mengen und die lange Lebensdauer müsste der Fokus deshalb heute mehr auf Bau- als auf Abfallvorschriften liegen.
Aufwendiges Recycling
Um qualitativ hochwertige Baustoffe herzustellen, sollten die verbauten Stoffe möglichst gut getrennt und aufbereitet werden. Sie müssen den Qualitätsanforderungen der Bauindustrie und jenen der Gesetzgebung genügen, schnell verfügbar und günstig sein. Ein solches Recycling ist aufwendig, zeitintensiv und teuer. «Viele der so gewonnen Rohstoffe konnten anfänglich nicht vollumfänglich verbraucht werden. Es erfolgte ein sogenanntes Downcycling. Damit landeten aber noch immer grosse Mengen auf den Deponien», sagte der Fachmann. «Eberhard entwickelte daher einen Rückbauprozess, bei welchem zuerst dekontaminiert, selektiv rückgebaut, separat abgeführt und in verschiedenen spezialisierten Werken die Wiederaufbereitung stattfindet.»

Kreislaufwirtschaft auf 20’000 Quadratmetern
Nach dem theoretischen Teil stiess Remo Flückiger, Leiter Kreislaufwirtschaft, zu der Gruppe. Zwei Guides erläuterten, wie EBIMIK, Abkürzung für Eberhard – Materialien im Kreislauf, funktioniert. Das 2021 erbaute Werk der Firma umfasst 20’000 Quadratmeter. Von der ersten Triage und Verkleinerung durch einen vollelektrischen 100-Tonnen-Bagger gelangt das Mischabbruchmaterial per Förderband in eine Halle zur weiteren Trennung. Diese erfolgt auf zwei Strassen mittels Sieben, Gebläsen, Staubsaugern und Triage-Robotern in 25 Stoffströme. Pro Stunde können mit zwei Leuten 100 Tonnen umgesetzt werden. Bei der manuellen Trennung wurden früher lediglich 5 Stoffströme realisiert. In weiteren Verfeinerungsschritten werden die Grundstoffe für unterschiedliche Betonqualitäten aufbereitet. In einem Forschungslabor wird zudem mit Gipsersatz und Dämmmaterialien experimentiert. Mit einem erläuternden Film zu den Robotern konnten die Teilnehmenden ihr Wissen über das Gehörte und Gesehene weiter vertiefen.
