Raus aus der Dunkelheit – zurück ins Leben
Unser Gast im Tertianum Villa Böcklin, Frau Dr. Regina Schwegler, Jahrgang 1973, hat sich bereit erklärt ihre Erlebnisse zu Long-Covid zu teilen. Es ist unglaublich, wieviel Durchhaltevermögen und Geduld Regina an den Tag legen musste und nach wie vor muss. Die Erzählungen fallen ihr mitunter noch schwer, doch hier ist ihre Geschichte:
Was nach der Covid-Infektion im Herbst 2022 mit einem milden Verlauf begann, entwickelte sich zu einer langen Odyssee aus schweren Symptomen, zunehmender Schwäche, massiver Reizüberflutung wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit und nachfolgenden schweren Crashes, wo nur der Rückzug in die Isolation blieb. Die Crashes lösten eine dauerhafte Verschlechterung der Sehfähigkeit aus, und alles wurde zu viel (Menschen, Geräusche und Licht). Den normalen Alltag gab es nicht mehr, und das Leben war auf ein Minimum reduziert – geprägt von Dunkelheit, Stille und dem Gefühl, mehr zu überleben als zu leben.
Die Diagnose ME/CFS – eine seit 1969 von der WHO anerkannte neuro-immunologische Multisystemerkrankung – brachte keine Erleichterung. Sie brachte Klarheit. Und zugleich eine Leere.
Keine psychische Erkrankung. Keine Einbildung. Sondern eine schwere, oft übersehene Krankheit – ohne anerkannte Therapie, ohne Versprechen auf Besserung.
Was folgte, war kein langsames Abschiednehmen vom bisherigen Leben, sondern ein abruptes Verstummen. Das Leben zu Hause wurde unmöglich. So sehr Familie und Freunde auch trugen, hielten, hofften – es reichte nicht mehr.
Im Juni 2023 trat Regina ins Tertianum Villa Böcklin ein.
Nicht in einen neuen Alltag, sondern in einen geschützten Raum jenseits des Gewohnten. Zwei Jahre lang lebte sie in absoluter Dunkelheit. Reizarm. Abgeschirmt. Still.
Pflege durfte nur im Dunkeln stattfinden.
Die Pflegenden bewegten sich mit einem Nachtsichtgerät – leise, vorsichtig, tastend. Jeder Handgriff ein Akt grösster Achtsamkeit. Masken und Handschuhe waren und sind lebensnotwendig. Nähe war möglich – aber nur unter strengen Schutzmassnahmen.
Der Alltag war kein Alltag mehr, sondern ein Zustand.
Ein Ausharren. Ein Dasein im Schatten.
Und dennoch: Inmitten dieser Dunkelheit existierte etwas, das sich nicht messen, nicht planen, nicht garantieren liess.
Hoffnung.
Nicht die Hoffnung auf Heilung. Nicht die Hoffnung auf ein „Danach“.
Sondern die Hoffnung, dass Sein genügt.
Dass Begleitung möglich ist, auch ohne zu wissen, ob es je besser wird.