Möglichkeiten zur Behandlung von Arthrose
Was haben ein Autopneu und ein menschlicher Knorpel gemeinsam? Beide nützen sich mit der Zeit ab. Der Vortrag «Moderne Möglichkeiten der Arthrosebehandlung» von Facharzt Matthias Schmied stiess bei den 45 anwesenden ZSS-Mitgliedern auf grosses Interesse.

Barbara Gasser und René Hoppeler, ZSS-Vorstandsmitglieder
Unter Arthrose versteht man den fortschreitenden, alters- oder belastungsbedingten Verschleiss der schützenden Knorpelschicht in den Gelenken, so die Definition aus dem Internet. Mehr als 90 Prozent der über 65-Jährigen sind davon betroffen. Ähnliches passiert mit dem Gummireifen am Auto nach häufigem Fahren. Dieses Bild war eines aus der anschaulichen Präsentation, die Matthias Schmied Ende Mai auf Einladung von ZSS ins Gesundheitszentrum Klusplatz in Zürich zeigte.
Teufelskreis eines Knorpelschadens
Wie zu erfahren war, entsteht die Gelenkabnützung durch eine Fehlstellung, etwa wegen O- oder X-Beinen, nach einem Unfall oder einer Operation. Daraus entsteht eine Schonhaltung, die führt zu Bewegungsmangel, gefolgt von mangelhafter Knorpelernährung, die den Knorpelverschleiss begünstigt und den Knorpel schliesslich schädigt und Knochen auf Knochen reibt. Das führt zu einer Entzündung und damit zu Schmerz, was wiederum die Schonhaltung begünstigt. Übergewicht kann die Symptome verstärken.
Am häufigsten von Arthrose betroffen ist gemäss den Ausführungen von Matthias Schmied das Knie. Pro Jahr werden in der Schweiz rund 20’000 Knieoperationen durchgeführt. Am zweithäufigsten ist Arthrose in der Hüfte zu spüren. Sie kann sich aber auch an Schulter, Hand oder Fuss entwickeln. Als konservative Behandlungsmöglichkeiten nennt er Medikamente, Salben, Pflaster, Physiotherapie und die Infiltration, also eine minimalinvasive Behandlung, bei der Medikamente direkt in das betroffene Gelenk injiziert werden, um Schmerzen zu lindern.
Es gibt aber auch alternative Behandlungsmethoden wie etwa verschiedene Formen der Eigenbluttherapie, bei der aufbereitetes Plasma aus dem eigenen Blut ins Gelenk injiziert wird. Mit dieser Art von Therapie würden sehr gute Resultate erzielt mit bis zu 70 Prozent Schmerzreduktion. Daraus ergibt sich eine hohe Zufriedenheit bei Patientinnen und Patienten. Eine weitere Möglichkeit ist die Stammzell-Therapie, die bei einmaliger Anwendung bis zu 36 Monaten wirkt. Sie sei der Behandlung mit Kortison und Hyaluronsäure überlegen. Eigenblut- und Stammzell-Therapie sind allerdings mit hohen Kosten verbunden, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden.
Neuste Methoden für die Operation
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts experimentierte Themistocles Gluck mit Elfenbeinprothesen, die mit Gips und Geigenharz verankert wurden, jedoch ohne Erfolg. Die aktuelle Generation der Knieprothesen simuliert den Bewegungsablauf eines gesunden Gelenkes. Eine Operation wird heute spezifisch auf die Patientin oder den Patienten abgestimmt. Grundlage dafür ist eine Magnetresonanztomographie (MRI) oder eine Computertomographie (CT). Individualisierte Prothesen und Schablonen ermöglichen einen natürlichen Bewegungsablauf und sollen ein stabiles Gelenk sicherstellen.
Nach einer OP ist die Nachbehandlung wichtig. Dazu gehören etwa Physiotherapie mit Instruktionen dazu, wie man sich wieder richtig bewegen soll. Nach der Phase der Unterstützung durch Krücken folgt das Kräftigungstraining, um den natürlichen Bewegungsablauf zu festigen.
Infostand vor Ort
Das aufmerksame Publikum stellte gezielte Fragen zu den Ausführungen des Facharztes und liess sich am Infostand Eigenblut- und Stammzell-Therapie und Möglichkeiten der Aktivierung des Heilungspotenzials des eigenen Körpers erklären, um so allenfalls operative Behandlungen zu umgehen oder hinauszuzögern.
Es folgte ein angeregter Austausch zum Thema «Arthrose», über das die Zuhörenden fundierte Informationen erhalten haben und das Gehörte bei Kaffee und Kuchen weiter vertiefen konnten.

Zur Person
Dr. med. Matthias Schmied ist Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Partner bei Ortho4Life und Arthrose Clinic Zürich.