Suchen und retten ist das Ziel von Redog
Der Einsatz von Hundeführerinnen und -führern nach einer Naturkatastrophe kann Leben retten. Mit diesem Ziel war ein Team der Redog-Regionalgruppe Ostschweiz 2023 nach einem Erdbeben in die Türkei geflogen.
Barbara Gasser, Text und Fotos, Vorstandsmitglied
Gian Forster ist Bereichsleiter Verschüttetensuche bei Redog. Der Frauenfelder ist Geschäftsleiter eines Architekturbüros und hatte 2011 während der Rekrutenschule die Möglichkeit, sich zum Hundeführer ausbilden zu lassen. Mittlerweile war er an zahlreichen Orten auf der ganzen Welt im Einsatz; so auch im Februar 2023 nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei und in Syrien. Ziemlich genau drei Jahre später schilderte er seine Erlebnisse einem aufmerksamen Publikum, das der Einladung von ZSS zum Vortrag gefolgt war.

Mit dem Rega Jet in die Türkei
Am 6. Februar vor drei Jahren hat in der Türkei und in Syrien um 4.20 Uhr die Erde gebebt. Gezählt wurden später 52’000 Tote und 110’000 Verletzte, wobei die Dunkelziffer gemäss Gian Forster rund doppelt so hoch ist. «Zwei Stunden später war ich alarmiert worden», sagt der Redog Bereichsleiter. Das Team traf sich am Flughafen Kloten, wo für den Transport ins Katastrophengebiet ein Rega Jet bereitstand. «Pro Person waren 40 Kilogramm Gepäck zugelassen. Dazu zählten auch die Tiere. An persönlichen Sachen konnten die Hundeführerinnen und -führer also nur das Nötigste mitnehmen.» Vor Ort trafen die Helfenden dann auf eine verzweifelte Bevölkerung, die oft nur mit einem Pyjama bekleidet bei 0 Grad nach Überlebenden suchte.
Die Hunde von Redog sind so trainiert, dass sie je nach Fund auf unterschiedliche Art bellen. Das Ziel ist klar definiert: Suchen und retten. «Aber auch wenn die Hunde auf eine tote Person stossen, werden sie belohnt», erklärt Gian Forster. «Sie haben ihre Arbeit gut gemacht, und so bleiben sie motiviert, um weiterzusuchen.» Grosse Freude herrschte, als dank dem Einsatz der Hunde eine vierköpfige Familie gerettet werden konnte. «Über zehn Stunden nach der positiv verlaufenen Suche, war das letzte Mitglied in einem Ambulanzfahrzeug in ein Spital gebracht worden.» Später haben die Retter Dankesbriefe und Zeichnungen erhalten.

Beeindruckende Gastfreundschaft
Bei einem Einsatz wie jenem in der Türkei seien Freud und Leid sehr nahe beisammen. «Auch wenn bei dieser Katastrophe viele Menschen unter den Trümmern begraben worden sind und die Verluste gross waren, gab es immer wieder schöne Momente», erzählt Gian Forster. Es sei wenig Aggressivität zu spüren gewesen. Und er erinnert sich an ein Treffen mit Überlebenden, deren Haus stehen geblieben war, die ihnen Kaffee angeboten haben.
Besonders eindrücklich war auch die Rettung einer noch lebenden Person sechseinhalb Tage nach dem Erdbeben. «Bei der erfolgreichen Suche ist immer auch ein bisschen Glück dabei», gibt er zu. Das zeigt die Geschichte mit dem geretteten Baby, dessen Mutter nach vier Tagen unter Trümmern ebenfalls lebend geborgen wurde. «Solche Meldungen verbreiten sich sehr schnell und sind wichtig für das Image», gibt Gian Forster zu.
Nach fünf Tagen war der Einsatz von Gian Forster und seinem Team beendet. Um all das Schreckliche zu verarbeiten, macht er sich jeweils bereits im Vorfeld Gedanken, was ihn erwartet. «Ich versuche, alles auf der sachlichen Ebene zu sehen und auch so ans Team weiterzugeben, was sehr geschätzt wird», sagt er. Der Zusammenhalt sei gut und die Arbeit mit den Hunden mache grosse Freude.

Redog wurde 1971 gegründet und arbeitet eng mit Bund und Kantonen zusammen. Sie ist eine von vier Rettungsorganisationen, die zum Roten Kreuz gehört. Rund 750 Mitglieder in 12 Regionalgruppen leisten pro Jahr 110’000 Stunden Freiwilligenarbeit. Redog ist eine Non-Profit-Organisation, die sich zu einem grossen Teil über Spenden finanziert. Möglich sind auch Patenschaften für Hunde. Alle Infos auf https://www.redog.ch/ostschweiz.