4 min Ausgabe Nr. 2 | 2026

«Ich wollte etwas zurückgeben»

Für Krebskranke da sein und erleben, wie sinnstiftend das ist: Markus Mayer (62) engagiert sich im Begegnungszentrum «Wäldli» der Krebsliga Zürich und erzählt, wie er zu dieser Aufgabe gefunden hat.

Ich hatte in meinem Leben immer Glück, privat und im Beruf. Seit über 34 Jahren bin ich verheiratet, wir haben zwei erwachsene Kinder. Ich hätte nie gedacht, dass ich an Krebs erkranken werde. Dabei kam die Krankheit in meiner Familie bereits mehrfach vor. Ich war lange für internationale Konzerne tätig. Nach unserer Rückkehr in die Schweiz war ich zunächst weiterhin beruflich stark eingespannt. Mit 57 suchte ich bewusst eine Arbeit mit mehr Präsenz zu Hause. Ich fand eine spannende Aufgabe bei einem Bahnunternehmen, wo ich Governance-Themen verantwortete. 2022, mit 58, erhielt ich die Diagnose Zungengrundkrebs. Ich erlebte eine sehr intensive Behandlung. Ich war so geschwächt, dass ich per Ambulanz in die Reha-Klinik verlegt werden musste. Nach zweieinhalb Wochen kam ich Ende Dezember 2022 nach Hause. Im Januar 2023 stieg ich wieder in den Beruf ein. Zu schnell, wie sich bald zeigte. Acht Monate später hatte ich einen Zusammenbruch. Erst da wurde mir klar, dass ich eine psychoonkologische Betreuung brauchte. Besonders geholfen hat mir eine Gruppentherapie am Unispital Zürich. Ich entschied mich dann, nicht mehr weiterzuarbeiten. So fiel mir eine grosse Last von den Schultern. In dieser Zeit vermisste ich die Rechnung für den Mitgliederbeitrag der Krebsliga Zürich. Ihr war ich bereits während der Behandlung beigetreten. Ich rief dort an, um nachzuzahlen. Da wurde mir noch einmal bewusst, wie viel Unterstützung ich in dieser Zeit selbst erfahren hatte. Ich wollte etwas zurückgeben, aus Dankbarkeit, dass ich den Krebs überlebt habe. Aus dem Telefonat entstand ein persönliches Treffen. Dort wurde mir aufgezeigt, was die Krebsliga Zürich alles macht und wie ich mich als Freiwilliger engagieren könnte. Bei diesem Gespräch war Sandra Furrer dabei. Sie arbeitet in den Begegnungszentren der Krebsliga Zürich, im «Turmhaus» in Winterthur und im «Wäldli» in Zürich, und ist als Pflegefachfrau auf Onkologie- und Palliativpflege spezialisiert. Sofort hatten wir das Gefühl, einander zu kennen. Wir fanden schnell heraus, warum: Wir waren uns bereits im Sterbehospiz Lighthouse begegnet. Sandra arbeitete dort, als meine schwer krebskranke Schwester betreut wurde. Jetzt freue ich mich, Sandra immer mal wieder zu sehen. Ich bin als Springer im Begegnungszentrum «Wäldli» aktiv. Wenn es zu Personalengpässen kommt und ich verfügbar bin, helfe ich aus. Das «Wäldli» ist ein offener Treffpunkt für Menschen mit Krebs, ihre Angehörigen und Interessierte. Dort bin ich für die Besucherinnen und Besucher da. Dadurch lerne ich immer wieder neue, oft schwere Schicksale kennen. Ich höre zu, ohne jemandem zu sagen, was er oder sie tun soll. Wenn jemand möchte, erzähle ich, wie ich schwierige Situationen erlebt und überlebt habe. Freiwillige wie ich werden von der Krebsliga Zürich geschult und durch regelmässige Gesprächsrunden mit einer psychoonkologischen Fachperson unterstützt. So können wir uns austauschen. Ich glaube, Krebskranke wirklich verstehen können nur Menschen, die selbst eine Krebserkrankung durchgemacht haben. Das ist mit ein Grund, warum ich Mitbegründer einer neuen Selbsthilfegruppe für Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren bin. Wir treffen uns regelmässig im Begegnungszentrum «Wäldli». Ich komme auch gerne zum Brunch ins «Wäldli». Der Brunch findet jeden letzten Donnerstag im Monat im «Wäldli» statt. Alle, die Austausch suchen, sind willkommen.

Markus Mayer, freiwilliger Mitarbeiter im Begegnungszentrum «Wäldli» in Zürich.
Markus Mayer, freiwilliger Mitarbeiter im Begegnungszentrum «Wäldli» in Zürich.

Sinnvoll engagieren – jetzt Freiwillige:r werden
Menschen mit Krebs brauchen mehr als medi- zinische Begleitung. Sie brauchen Menschen, die zuhören, da sind und verstehen. Vielleicht möchten auch Sie sich engagieren? Die Krebsliga Zürich bietet verschiedene Möglichkeiten für ein freiwilliges Engagement, passend zu Ihren Interessen, Erfahrungen und zeitlichen Möglichkeiten. Informationen zur freiwilligen Mitarbeit: krebsligazuerich.ch/freiwillige Für Fragen steht Ihnen Marlene Elischka, Verantwortliche Freiwilligenmanagement, gerne zur Verfügung: marlene.elischka@krebsligazuerich.ch

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