Zu Hause bleiben dank mobilem Palliativdienst
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Zu Hause bleiben dank mobilem Palliativdienst

Spezialisierte mobile Palliative-Care-Teams begleiten unheilbar kranke Menschen zu Hause und unterstützen gleichzeitig die Angehörigen.

Im Büro in Zürich bereitet sich Sandra Wyss auf ihren Einsatz vor. Die 42-jährige Pflegefachfrau hat heute Dienst. Sie bespricht sich mit dem Team und plant die Hausbesuche. Frau T. hat Wasser im Bauchraum, zusätzlich fällt ihr das Schlucken schwer. Herr Z. hat Atembeschwerden und braucht Medikamentennachschub. Und die Unterlagen fürs Erstgespräch mit dem Ehepaar R. liegen bereit. Der Koffer mit dem medizinischen Material ist gepackt, die Tasche auch. Sandra Wyss bringt alles zum Auto, dann fährt sie los.

Sicherheit dank ambulanter Unterstützung
Die spezialisierte Pflegefachfrau ist unterwegs zu Frau T. Ihr Mann erwartet sie an der Tür und ist offensichtlich froh, dass der mobile Palliative-Care-Dienst kommt. Im Zimmer im ersten Stock liegt seine 63-jährige Frau im Pflegebett und begrüsst Sandra Wyss mit schwacher Stimme. Wie geht es ihr heute? Das Schlucken ist schwierig. Das Ehepaar informiert sich bei der Pflegefachfrau über künstliche Ernährung. Ist dies zu Hause möglich oder muss die Frau dazu ins Spital? «Eine künstliche Ernährung ist auch hier möglich, sie muss aber mit der Ärztin besprochen und von ihr verschrieben werden», sagt die Fachfrau. Herr T. hört aufmerksam zu und macht sich Notizen. Auch das Atmen fällt seiner Frau schwer. Wasser staut sich in ihrem Bauchraum und drückt auf die Lunge, weshalb ihr ein kleiner Schlauch eingesetzt worden ist. Die Pflegefachfrau breitet ihr Material auf einem sterilen Tuch aus. Sorgfältig dreht sie den Verschluss des Schläuchleins auf und lässt fast einen halben Liter Wasser ab. Unvermittelt murmelt Frau T.: «Er macht so viel …» – und meint damit ihren umsorgenden Ehemann. Mit der Spitex, die einmal am Tag für die Körperpflege komme, gehe es recht gut, berichtet Herr T. Er wirkt aber müde und belastet, gleichzeitig strahlt er auf eine liebevolle Art Sicherheit aus, die auf seine Frau beruhigend wirkt. Diese Sicherheit verspüre er dank der regelmässigen Besuche von Sandra Wyss und ihren Kolleginnen, sagt er. Und wegen des 24-Stunden-Notfalltelefons, welches der Palliative Dienst betreibt. «Bei Fragen bekomme ich rund um die Uhr Beratung und Unterstützung.»

Kurz vor Mittag in einer anderen Zürcher Gemeinde. Sandra Wyss kommt auf Wunsch der Tochter zum Erstgespräch mit dem Ehepaar R. Etwas widerwillig lässt die Frau sie ins Haus. Eigentlich hat sie keine Lust auf den Besuch. Sie ist entschlossen, allein für ihren Mann zu sorgen. Der Rentner sitzt schweigend im Rollstuhl am Esszimmertisch und scheint völlig abwesend. «Er isst und trinkt nicht und nimmt auch keine Medikamente ein», sagt Frau R. und wischt sich eine Träne weg. «Ich bin am Anschlag, aber weggeben werde ich ihn nicht! Das habe ich ihm versprochen.» Wie könnte man sie entlasten? «Ihn ins Bett bringen und wieder raus. Das ist schwierig, er ist halt schwer.» Sandra Wyss verspricht, Kontakt mit der lokalen Spitex aufzunehmen. Diese wird helfen, den Mann am Abend ins Bett zu bringen, und vielleicht auch Entlastung am Tag möglich machen. Ausserdem erklärt die Palliativfachfrau, dass sie bei einem nächsten Besuch gemeinsam mit dem Ehepaar einen Notfallplan erstellen werden, der genaue Informationen darüber enthält, was in welcher Situation gemacht werden kann. Das scheint der Frau nun doch hilfreich. Sie ist froh, dass sie ihren Mann weiterhin zu Hause pflegen kann und er gleichzeitig professionelle Hilfe bekommt.

Ein 24-Stunden-Notfalltelefon
Im Zürcher Oberland wartet Herr Z. Der 72-Jährige leidet an COPD, einer schweren Lungenkrankheit, und das Atmen fällt ihm schwer. Er wohnt in einem alten Holzhaus. Zum Briefkasten schafft er es nicht mehr, der Gang in die Küche ist zum Kraftakt geworden. Trotzdem will er ohne weitere Hilfe zu Hause bleiben. «Ich warte auf Exit», sagt Herr Z. Er sagt es in einer Überzeugung, die keinen Widerspruch zu dulden scheint. Das Leben mit COPD habe für ihn keine Qualität mehr, immer wieder sei er auf das Sauerstoffgerät angewiesen und fühle sich stets schwächer. Er hadert damit, dass der Termin erst in einigen Wochen sein wird. Bis es so weit ist, ist er sehr froh um die Unterstützung des mobilen Palliativ-Dienstes. Sandra Wyss richtet die Medikamente, die sie mitgebracht hat, und versichert, dass sie bei seiner Ärztin nachfragt, ob inzwischen Bescheid von Exit gekommen ist. Ausserdem kontrolliert sie noch einmal das Sauerstoffgerät und erinnert Herrn Z. daran, dass er bei einer Verschlechterung seines Zustandes jederzeit anrufen kann.

Beim letzten Besuch des Tages – der ganz kurzfristig angesagt wurde – geht es zu Frau B., die im Sterben liegt. Sie wird in ihrer Wohnung, in der sie seit über 40 Jahren lebt, von der Grossfamilie betreut. So hat sie es sich gewünscht. Alle drei Töchter stehen um das Bett der 78-jährigen, die nicht mehr ansprechbar ist und nur noch mit langen Pausen dazwischen atmet. Die eine Tochter geht mit Sandra Wyss ins Esszimmer, wo Medikamente in Form von Tabletten, Tropfen und Infusionen auf dem Tisch liegen. «Heute Morgen hat meine Mutter gestöhnt. Ob sie Schmerzen hatte? Was kann ich ihr denn noch geben?» Sandra Wyss sortiert die Medikamente, schreibt die Maximaldosen auf und macht der eher unsicheren Tochter Mut: «Sie alle machen das wunderbar. Ihre Mutter scheint doch sehr entspannt zu sein.» Ob der Seelsorger, den sie aufgeboten habe, gestern noch gekommen sei, will sie wissen. Er war da, hat eine Krankensalbung gemacht und gemeinsam mit den Angehörigen einen Sterbesegen gesprochen. Und all dies in einem Umfeld, in dem sich die Schwerkranke wohl und geborgen fühlt. Zu Hause.

Spezialisierte mobile Palliative-Care-Teams sorgen für eine gute Symptomkontrolle, damit die Lebensqualität bleibt, und unterstützen die Betroffenen in der Entscheidungsfindung. Alle Infos dazu: Hilfe in Ihrer Nähe finden

palliative zh+sh Wir sind eine Sektion von palliative.ch, der Schweizerischen Fachgesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung. palliative zh+sh ist ein gemeinnütziger Verein und politisch und konfessionell neutral. Er engagiert sich auf fachlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene für die Förderung der Palliative Care in den Kantonen Zürich und Schaffhausen und setzt sich für eine qualitativ hochstehende palliative Behandlung, Betreuung und Begleitung von Betroffenen und ihren Angehörigen ein. Weitere Informationen unter: www.pallnetz.ch

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit palliative zh+sh.

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