Gesundheitsdaten sind jederzeit abrufbar
Das elektronische Patientendossier ist eine Sammlung wichtiger persönlicher Gesundheitsinformationen, die sicher gespeichert sind. Mit einer Gesetzesrevision soll die Verbreitung vorangetrieben werden.
Von Barbara Gasser, Vorstandsmitglied ZSS
Erst 117 000 Personen in der Schweiz haben sich für ein elektronisches Patientendossier (EPD) bei verschiedenen, frei wählbaren, Organisationen entschieden. Rund 60 000 haben dafür Post Sanela gewählt. Um die Aktivitäten der Kantone und des Bundes rund um die digitale Vernetzung des Gesundheitswesens zu koordinieren, wurde 2007 die Kompetenz- und Koordinationsstelle e-Health Suisse eingerichtet. Nun strebt der Bund eine Gesetzesrevision an. Zukünftig soll es nur noch eine technische Plattform, aber weiterhin verschiedene Anbieter geben.
Zugriff über das Internet
Mit einem EPD entfällt das mühsame Zusammensuchen und Nachfragen nach Unterlagen bei den entsprechenden Stellen wie zum Beispiel Spital, Arztoder Zahnarztpraxis, Röntgeninstitut, Therapiezentrum oder Apotheke. Von dort aus können die Dokumente direkt in das persönliche EPD ge speichert werden. Man kann aber auch selbst wichtige Berichte von Gesundheitsfachleuten, Rezepte für Medikamente oder den Impfausweis dort ablegen. Das EPD enthält dann eine umfassende Sammlung von Informationen über die eigene Gesundheit, die jederzeit abrufbar sind.
Die Daten im EPD sind digital in der Schweiz gespeichert und über das Internet via Computer oder Smartphone zugänglich. Dokumente können auf sichere Art mit ausgewählten Gesundheitsfachpersonen geteilt werden. Das verbessert den Informationsaustausch bei medizinischen Behandlungen.
Alle müssen am selben Strang ziehen
Dr. Dirk Wiedenhöfer
Strategy and Business Development, Post Sanela Health AG.
Interview mit Dirk Wiedenhöfer, Post Sanela Health AG
Zürcher Seniorinnen und Senioren: Wie sind die Erfahrungen von Post Sanela mit den über 60 000 bereits eröffneten EPD, kommen die Leute damit zurecht?
Dirk Wiedenhöfer, Post Sanela Health AG: Bei unseren Informationsanlässen sehen wir, dass das Interesse der Bevölkerung am EPD gross ist. Wir unterstützen gerne bei der Online-Eröffnung und den ersten Schritten im EPD. Wir gehen davon aus, dass die Leute sich gut mit dem EPD zurechtfinden und es aktiv nutzen. Die Zahl der EPD-Eröffnungen steigt kontinuierlich. Es wurden bereits über 330 000 Dokumente auf unserer EPD-Plattform hochgeladen.
ZSS: Woran liegt es, dass nicht mehr elektronische Patientendossiers angelegt werden?
DW: Das EPD und seine Vorteile sind nach wie vor wenig bekannt. Wir beobachten, dass Personen mit der EPD-Eröffnung zuwarten, bis zum Beispiel ihre Hausärztin oder ihr Physiotherapeut angeschlossen ist. Gleichzeitig setzen die Gesundheitseinrichtungen das EPD oft erst ein, wenn viele Patientinnen und Patienten danach fragen. Aus dieser Situation kommen wir nur heraus, wenn wir alle – die Bevölkerung, die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen und die Politik – an einem Strang ziehen und das EPD konsequent fördern.
ZSS: Das EPD ist freiwillig, wird es irgendwann obligatorisch?
DW: Aktuell müssen die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden und ein EPD eröffnen. Mit dem revidierten Gesetz soll das «Opt-out»-Prinzip eingeführt werden. Für alle in der Schweiz wohnhaften Personen soll automatisch ein EPD eröffnet werden. Wer dies nicht möchte, kann jederzeit widersprechen.
Post Sanela Health AG
Die Post Sanela Health AG ist eine Konzerngesellschaft der Post. Sie betreibt das EPD für die Sanela-Stammgemeinschaft, in der sich Gesundheitseinrichtungen aus der ganzen Schweiz zusammengeschlossen haben. Privatpersonen können ihr EPD online eröffnen und mittels App verwalten.
Alle Informationen zum
EPD finden sich auf
www.post-sanela.ch.
