«40 Prozent aller Krebsfälle sind vermeidbar»
Die Generation 65+ reist, wandert und engagiert sich. Sie will dabei möglichst lange gesund bleiben. Was senkt das Krebsrisiko, was ist nur ein Mythos? Monika Burkhalter, Leiterin Prävention und Früherkennung bei der Krebsliga Zürich, ordnet ein.
Viele denken, im höheren Alter lohne sich Krebsprävention kaum noch. Stimmt das?
Im Gegenteil, es lohnt sich in jedem Alter. Bewegung etwa senkt nachweislich das Risiko für verschiedene Krebsarten und hilft, das Gewicht im Normalbereich zu halten. Wer regelmässig aktiv ist, tut damit mehr für seine Gesundheit, als vielen bewusst ist.
Welche Faktoren beeinflussen das Krebsrisiko im Alter tatsächlich am meisten?
Ernährung, Bewegung, Alkohol, Tabak und zu viel Sonne ohne Schutz. Bei diesen fünf Punkten kann jede und jeder selbst am meisten bewirken.
Ein Glas Wein am Abend gilt als gesund fürs Herz. Stimmt das?
Nein, das hält sich hartnäckig, ist aber ein Mythos. Alkohol erhöht das Risiko für mehrere Krebsarten, auch in kleinen Mengen. Eine wirklich unbedenkliche Menge gibt es laut WHO nicht.
Braucht man Sonnenschutz auch noch mit 70 oder 80 Jahren?
Unbedingt. Die Haut vergisst nichts, UV-Schäden summieren sich über die Jahre. Schatten, Kleidung und Sonnencreme bleiben der beste Schutz.
Viele denken, Krebs sei reine Veranlagung. Wie viel können wir selbst beeinflussen?
Rund vier von zehn Krebserkrankungen liessen sich vermeiden. Alter und Gene spielen zwar mit, aber bei Lebensstil und Vorsorge liegt ein grosser Hebel.
Zum Schluss: Was können unsere Leserinnen und Leser schon morgen umsetzen?
Bleiben Sie in Bewegung. Dafür müssen Sie weder das Matterhorn besteigen noch ins Fitnesscenter. Ein paar Dehnübungen am Morgen oder ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft machen einen Unterschied. Gehen Sie zudem massvoll mit Alkohol um, ernähren Sie sich vielseitig, schützen Sie Ihre Haut, und nehmen Sie die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen (siehe Box) wahr.
Vorsorge: Das empfiehlt die Krebsliga
- Darm: Ab 50 Jahren alle zwei Jahre ein Stuhltest oder alle zehn Jahre eine Darmspiegelung.
- Brust: Frauen ab 50 Jahren alle zwei Jahre eine Mammografie.
- Haut: Kein systematisches Screening, aber regelmässig selbst kontrollieren und Auffälliges der Ärztin zeigen.
- Prostata: Kein systematisches Screening – PSA-Test (prostataspezifisches Antigen) individuell mit dem Arzt besprechen.
- Allgemein: Bei Krebs in der nahen Verwandtschaft die individuelle Vorsorge ärztlich besprechen.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Krebsliga Zürich.